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Was Schweizer Marketingchefs vom Metaverse halten

Avatare und virtuelle Filialen im Web 3.0: Ist das Zukunftsmusik oder doch etwas für Schweizer Unternehmen? Eine Umfrage am gfm-Anlass zeigt: Das Warenhaus Jelmoli hat bereits konkrete Pläne. Manor will offen bleiben. Noch etwas skeptisch zeigt sich die SBB.

«Der Inszenierung sind im Metaverse praktisch keine Grenzen gesetzt, das Markenerlebnis wird intensiv sein und die ganze Customer Journey durchlaufen», betonte Präsident Dominique von Matt in seiner Eröffnungsrede anlässlich der 31. Trendtagung der Schweizerischen Gesellschaft für Marketing. Der mit 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausverkaufte Anlass im Kraftwerk in Zürich stand letzte Woche unter dem Motto «New Marketing – Aufbruch in eine neue Ära».

Jelmoli zieht ins Metaverse

«Jelmoli wird Mitte dieses Jahres mit zwei Avataren ins Metaverse gehen. Das ist aus einer Kollaboration mit der Schweizerischen Textilfachschule entstanden, wobei zusammen mit Studentinnen und Studenten eine Kollektion für unsere Warenhäuser entwickelt wurden. Die zwei Avatare im Metaverse werden dann mit einem Teil dieser Kollektion ausgestattet. Das Metaverse ist für Jelmoli interessant, weil wir das Warenhaus neu erfinden wollen. Dazu gehört auch die Ladenfläche, das reicht aber nicht aus ­– heute muss man auf Omnichannel setzen. Und vor allem gilt es, mit Neuem zu experimentieren. Was schliesslich aus unserem Eintritt ins Metaverse wird, werden wir sehen. Wir möchten jedoch nicht zuschauen, wie es andere Marken handhaben, sondern unsere eigenen Erfahrungen in diesem digitalen Raum machen. Wer weiss, vielleicht werden wir in ein paar Jahren eine Jelmoli-Filiale im Metaverse eröffnen. Aber das ist aktuell Zukunftsmusik.»

SBB bleibt zörgerlich

«Die Ausführungen von Dominique von Matt waren inspirierend. Mit fällt es aber schwer, einzuordnen, was das Metaverse konkret bringen und welche Bedeutung es erfahren wird. Die Zahlen sind natürlich beeindruckend, doch die Vorstellung, sich als Avatar in einer virtuellen Welt zu bewegen, wirkt doch etwas grotesk. Das erinnert mich spontan an «Second Life», von dem man sich lange Zeit auch viel erhofft hat. Heute spricht aber niemand mehr davon. Die Frage ist nun: Wird es dem Metaverse gleich ergehen oder startet es richtig durch? Seine Entwicklung zu verfolgen, finde ich spannend. Für die SBB sehe ich im Moment aber keinen Anwendungsfall im Metaverse. Wir werden aber sicher beobachten, wohin seine Reise geht.»

Manor ist gespannt

«Ich glaube zwar weiter an die Bedeutung des physischen Kontakts, der realen Welt im Marketing. Aber das Metaverse ist doch ein sehr spannender Trend, der immer wichtiger werden dürfte. Manor plant kurzfristig keine Niederlassung im Metaverse, doch wir müssen da zukünftig in irgendeiner Form auch mitspielen. Wir müssen uns diesem Thema auch annehmen und Dinge ausprobieren. Keinesfalls dürfen wir davor Angst haben. Für Manor ist vor allem der Community-Gedanke reizvoll: Unser Anspruch ist es, dass der Besuch in unseren Warenhäusern zum Erlebnis für die Kundinnen und Kunden wird. Das Metaverse würde es ermöglichen, dass dieses jeden Tag, überall und rund um die Uhr möglich wäre.»

Communications & Public Affairs Bitcoin Suisse empfiehlt: Experimentiert

«Das Metaverse ist in erster Linie eine grosse Chance, weil es ermöglicht, digitale Güter zu besitzen. Dies wiederum funktioniert nur dank der Technologie Blockchain. Indem sie digitale Knappheit generiert, werden Güter nicht mehr unendlich duplizierbar, was letztlich Wert schafft. Es herrscht allerdings ein unterschiedliches Verständnis davon, was das Metaverse überhaupt ist. Aus Kryptosicht kann man sagen: Es ist eine Ansammlung von Plattformen, Communities, die auf Blockchain basieren. Aus Marketingperspektive ist das Metaverse interessant, weil es erlaubt, Kundinnen und Kunden auf neue Art und Weise und über neue Kanäle anzusprechen. Wir sind aber noch ganz am Anfang. Es wird noch lange gehen, bis es valable Use Cases gibt, die das Metaverse für viele Unternehmen grossflächig interessant machen. Aus Marketingsicht würde ich allerdings dazu raten, mit dem Metaverse zu experimentieren, Erfahrungen zu sammeln.»

Quelle: Persönlich

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