VR im Altersheim gewinnt Preis

VR Einsatz im Altersheim Sumiswald

Kaurisanker Kirupananthan und Fernando Eggenberger gewannen den Innovationspreis von Curaviva Bern. Ihr Virtual Reality Projekt bringt Bewohnenden des Alterszentrums Sumiswald unglaublich reale Erlebnisse ins Heim.

Mit Fernando Eggenberger und Kaurisanker Kirupananthan gewannen zwei junge Mitarbeitende des Alterszentrums Sumiswald (Sumia) bei der Preisverleihung von Curaviva Bern, dem kantonalen Branchenverband der Dienstleister für Menschen im Alter. Mit ihrem Virtual Reality Projekt haben die beiden den Innovationspreis in der Höhe von 5000 Franken gewonnen. Dass den älteren Menschen virtuelle Reisen ermöglicht werden, die sie anders nicht mehr unternehmen können, begeisterte die gesamte Jury.

Bachelorarbeit für etwas Sinnvolles

Als Zivilschützer ist Kaurisanker Kirupananthan im Alterszentrum seit bald acht Jahren bekannt und beliebt. Der damalige In­formatikstudent Kaurisanker Kirupananthan wollte sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit für etwas Sinnvolles einsetzen. Fernando Eggenberger seinerseits ist stellvertretender Leiter des Bereichs Aktivierung im Sumia. Unabhängig voneinander hatten sie die Idee, für Menschen, die nicht mehr mobil sind, Erlebnisse, Natur, Bräuche, Kultur und Handwerk ins Heim zu holen und sie dies mit der virtuellen Brille realitätsnah erleben zu lassen. Die Fachhochschule Bern für Technik und Informatik stellte ihm die dafür erforderlichen Geräte zur Verfügung.

Angenehme Ablenkungen im Alltag

Das Altersheim in Sumiswald nutzt den Projektor Qwiek.up, um das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz zu verbessern. Inspiriert davon wurde untersucht, wie die Bewohnerinnen und Bewohner eine Brille in der virtuellen Realität ohne Risiken nutzen können, um angenehme Ablenkungen im Alltag zu erleben. Basierend auf positiven Rückmeldungen wurden zwei spezifische VR-Anwendungen entwickelt
mit dem Ziel, eine einfache, altersgerechte Interaktion zu ermöglichen und die Therapieform Snoezelen unterstützt, welche Sinneseindrücke nutzt, um eine entspannende Atmosphäe zu schaffen und die Wahrnehmung zu verbessern.

Während Kirupananthan das über einjährige Projekt wissenschaftlich begleitete, kennt Eggenberger die Bewohnenden, weiss um ihre Bedürfnisse, aber auch um ihre Ängste und Defizite. «Damit das virtuelle Erlebnis für sie ein wirkliches Erlebnis wird, braucht es viel Erfahrung und Feingefühl und natürlich von ihnen auch den Willen, sich auf das Neue, einzulassen», stellt Eggenberger fest.

Erinnerungsarbeit mit immersiven Videos

Die erste Anwendung soll die Erinnerungsarbeit in der Pflege fördern. Stundenlang filmten die beiden Sehens- und Hörenswertes in derRegion, unter anderem einen Gottesdienst in Wasen, verschiedene Ausflugsziele im Emmental, ein Jodlerpaar oder das Älplerleben. «Wir wollen die Menschen dort abholen, wo sie gelebt haben, wo ihre Gedanken oft noch hinschweifen», so Fernando Eggenberger.

Eins-zu-eins-Betreuung erforderlich

Die 3D Virtual Reality-Brille erlaubt eine Rundumsicht von 360 Grad. Die Einstellungen sind jedoch kompliziert und wären für die Bewohnenden selbst nicht bedienbar. Sie werden deshalb individuell für die Nutzerinnen und Nutzer vorgenommen und ständig angepasst. Dies ist erforderlich, damit die ungewohnte Sichtweise nicht Übelkeit oder Ängste auslöst. Begibt sich eine Bewohnerin auf virtuelle Reise, wird sie von Fernando Eggenberger oder Kaurisanker Kirupananthan begleitet. Fernando Eggenberger ist überzeugt: «Staunen wirkt heilend und hat die Kraft, die Menschen von ihren Defiziten abzubringen und sich wieder zu freuen.»

Mit den aktuellen Mitteln wäre es nicht möglich, das Projekt fortzuführen. Das Preisgeld ist deshalb willkommen und soll das Startkapital sein, um die neue virtuelle Welt zu vergrössern, sie noch individueller zu gestalten und sie mehr Menschen im Alterszentrum Sumiswald zugänglich zu machen.

Quelle: wochen-zeitung / Berner Fachhochschule

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