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Auf wackeligen Beinen durch künstliche Welten

Im österreichischen Krems wurde kürzlich ein Labor für Virtual-Reality-Anwendungen eröffnet. Eine interaktive Plattform lädt dort zu VR-Spaziergängen ein.

Das Omnideck ist das Highlight des neuen Forschungslabors für Virtual Reality (VR) eVRyLab an der IMC Fachhochschule Krems. Es ist eine in den Boden eingelassene, interaktive Plattform für VR-Spaziergänge und erlaubt es den Nutzern, sich besonders flüssig und somit realitätsgetreu durch VR-Umgebungen zu bewegen.

Die Installation misst gute vier Meter im Durchmesser und ist in 16 keilförmige Segmente aufgeteilt. Jedes Segment besteht aus parallelen Metallrollen, die von einem darunter befindlichen Förderband bewegt werden können. Die Mitte des Decks bildet ein runder, unbeweglicher Bereich, von dem aus man zu gehen beginnt. Abhängig davon, in welche Richtung und wie schnell man sich bewegt, werden die entsprechenden Rollen im passenden Tempo aktiviert. Das hat den Effekt, dass der Nutzer nie den Rand der Plattform überschreitet, sondern – wie auf einem Fitnesslaufband – immer auf demselben Platz bleibt. Hält der Nutzer an, befördern ihn die Rollen kaum merkbar wieder zurück zur Mitte. Zwei Sensoren ausserhalb des Omnidecks erfassen millimetergenau die exakte Position des Nutzers auf der Plattform. Aus diesen Positionsdaten berechnet der Steuerrechner die virtuelle Position des Nutzers in der Simulation und zeigt auf der Brille die jeweils passende Szene an.

Eine Besonderheit ist, dass die eingesetzte VR-Brille nicht kabelgebunden ist, sondern per Funk mit dem Steuerrechner kommuniziert. Der Wegfall eines Kabels macht das Erlebnis noch realistischer. Zudem soll die berüchtigte „motion sickness“, also die Übelkeit, die Nutzer von VR-Anwendungen zuweilen durch die flüssigen Bewegungen, welche das Omnideck ermöglicht, befällt, weitgehend ausgeschlossen sein.

Mobiler Personenscanner hilft beim erstellen von Räumen

Bei der Wahl der virtuellen Welten, in die man sich begibt, besteht keine Einschränkung. Gibt es keine vorgefertigten VR-Räume. So können selbst welche erstellt werden. Um dabei auch real existierende Räume und Objekte integrieren zu können, verfügt das eVRyLab über einen Laserscanner, einen kleinen Handscanner und einen mobilen Personenscanner. Letzterer ist eine Rundkabine mit 93 Kameras, die jeweils acht Megapixel Auflösung aufweisen.

Rund 150.000 Euro hat das Omnideck gekostet. In Europa sind derzeit nur fünf Stück im Einsatz. Die Anschaffung ist Teil des vom Land Niederösterreich geförderten Projekts Scan2VR, in dessen Rahmen Gegenstände, Personen, Räume und sogar grossflächigere Umgebungen digitalisiert und für VR-Begehungen aufbereitet werden sollen.

Spielen erwünscht

„Wir planen, gemeinsam mit der Kunstmeile Krems neue Lösungen zu erarbeiten, wie man Kunst präsentieren kann“, erklärt Michael Reiner, Professor am Department of Business der IMC Fachhochschule Krems und Leiter des neuen VR-Labors. „Man kann einen Raum scannen und dann beispielsweise virtuell verschiedene Ausstellungsstücke hineinstellen und so die Wirkung testen.“ Eine ebenso reizvolle wie anspruchsvolle Aufgabe, gehören zur Kunstmeile doch so architektonisch unterschiedliche Gebäude wie die Landesgalerie, die Kunsthalle oder die Dominikanerkirche. Besteht nicht die Gefahr, dass man angesichts solch hochwertiger Hardware den Pfad ernsthafter Forschung verlässt und ins Spielerische abgleitet? Im Gegenteil, meint Reiner. „Ich ermutige mein Team sogar dazu, Spiele auszuprobieren“, meint er. „Denn dadurch können wir die Möglichkeiten des Omnidecks sehr gut austesten.“ Natürlich wird die Infrastruktur des eVRyLab auch in der Lehre der FH zum Einsatz kommen. Und auch Führungen für Schulklassen sind geplant, bei denen man Jugendlichen die Potenziale der Technologie auf anschauliche Weise näherbringen kann. Sobald man sich an die Eigenheiten des Omnidecks gewöhnt hat, fängt es nämlich an, richtig Spass zu machen.

Quelle: derstandard

 

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