Theater VR

Das Kleintheater wagt sich in virtuelle Welten

Das Kleintheater Luzern rüstet sich für die Zukunft: Seit einem halben Jahr beschäftigt es sich mit neuen digitalen Formaten wie der Virtual Reality (VR).

Seit dem Lockdwon hat sich in der Theaterwelt viel verändert. Eine, die die Entwicklungen in der Theaterbranche beobachtet und mitgestaltet, ist Fabienne Mathis, Projektleiterin der «digitalen Bühne» des Kleintheaters Luzern.

«Was wäre, wenn sich das Geschehen von der Bühne des Kleintheaters Luzern plötzlich in eine völlig neue Welt hineinbegeben würde und sie ein Publikum in nur einem Augenblick in einen völlig neuen Raum transportieren könnte?», fragt Fabienne Mathis die Teilnehmerinnen eines Workshops des Kleintheaters zum Thema Virtual Reality.

Die ungewisse Zukunft des Theaters

Das Kleintheater Luzern führt in den kommenden Monaten in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern (HSLU) und weiteren Expertinnen Workshops zum Thema «Wie die Digitalisierung in der Theaterbranche genutzt werden kann» durch. Dieses Transformationsprojekt wird vom Kanton Luzern wesentlich mitunterstützt. Im Fokus steht dabei nicht nur die Reaktion auf die lange leergebliebenen Theatersäle, sondern auch eine Integration neuer digitaler Möglichkeiten.

«Wie könnten diese neuen Räume aussehen? Hätten sie überhaupt noch etwas mit dem realen Theater gemein?», fragt Fabienne Mathis. «So unterschiedlich wie ihre Bilder im Kopf und die damit verbundenen Gefühle, wenn sie den Theaterraum hinter sich lassen, so ungewiss sind die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.»

Fünf Projekte werden unterstützt

«Durch die gezielte Förderung virtueller oder allgemein digitaler Formate möchten wir den Spielplan erweitern und auch ein diverseres Publikum ansprechen», erklärt Mathis die Beweggründe für das neue Hybrid-Angebot des Kleintheaters. Wer zu diesen Zielgruppen gehören kann, soll sich in den nächsten Monaten zeigen. «Zurzeit wissen wir, wer unser Saal-Publikum ist. Wer unser Online-Publikum sein könnte, gilt es für uns noch zu erkunden.»

Informatiker, Game-Designerinnen, Schauspieler oder Dramaturginnen: Sie alle erhalten die Möglichkeit, während den Workshops in die Welt der Digitalisierung im Theater einzutauchen und sich an eigenen Projekten zu versuchen, die physische und virtuelle Welt miteinander zu verbinden. «Nächsten Frühling werden die ausgewählten fünf Projekte von uns mit einem finanziellen Beitrag unterstützt», sagt Mathis.

Für die Umsetzung des Projekts erhalten die Gewinner die Möglichkeit, den bereits fertig produzierten virtuellen Raum des Kleintheaters Luzern für eigene Produktionen zu nutzen und auf Know-how des «Immersive Research Center» sowie der «Research Group Visual Narrative» der Hochschule Luzern und zurückzugreifen.

Anders als in einem Theatersaal fallen unter anderem Raummieten für virtuelles Theater zwar gänzlich weg, dennoch ist bei der Produktion oft mit höheren Kosten zu rechnen. Deshalb ist das Kleintheater auch auf Sparring-Partner wie die HSLU angewiesen. Zwar reduziert sich eine Produktion für die Zuschauerin beispielsweise auf ein Virtual Reality Headset, doch sind die Aufwände für Produktion und Equipment mit ebenso hohen Kosten verbunden wie bei regulären Theaterproduktionen.

Neue Welten und neue Emotionen für die Theaterwelt

Auch deshalb ist dieser Austausch mehrerer Interessensgruppen im Workshop zentral. «Hier lernen die Kunstschaffenden nicht nur den Umgang mit neuen digitalen Möglichkeiten, sie erhalten gleichzeitig auch ein Gefühl dafür, welche Arbeiten sie selbst und welche sie in Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen kreativ umsetzen müssen», sagt Mathis. Obwohl die Digitalisierung des öffentlichen Raumes bereits seit längerem in der Gaming-Szene bekannt ist, gibt es in Bezug auf Theater und Digitalisierung noch viel Entwicklungsspielraum.

Die Produktion im digitalen und virtuellen Raum hat  Vorteile: Durch die Vereinbarkeit zwischen den verschiedenen Räumen empfindet der Mensch räumliche Nähe plötzlich anders, manchmal auch emotionaler. Vor allem dann, wenn virtuelle und physische Welt miteinander verbunden werden. Spätestens im Sommer 2022 will das Kleintheater eine erste Bilanz zu den Erfahrungen ziehen.

Quelle: zentralplus

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