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Test: Ghost Giant VR

79

Empfehlenswert!

Taucht ein in die Welt von Louis und werdet selber Teil eines faszinierenden VR-Puppenhauses, das einer lenkenden Geisterhand bedarf. Schon zu Beginn entdeckt euer Schützling Louis, wie er von einem riesigen blauen Geist verfolgt wird. Aber ihr seid eigentlich ein guter, allwissender Geist. In einer einzigartigen Diorama-Welt öffnet ihr Dächer, zeichnet lustige Bilder, schiebt Autos herum oder repariert einen riesigen Kran. Eigentlich immer, wenn Louis nicht weiter weiss. Wenn ihr selber nicht weiter wisst: einfach Louis kurz anstupsen. Ihr erkundet dabei das kleine Miniaturdorf Sancourt und helft seinen Einwohnern bei all ihren kleinen Problemen.

Einmal «Geister-Gott» sein …

Gespielt wird mit den beiden Move Controllern, was sowohl stehend als auch sitzend möglich ist. Das Abenteuer ist in verschiedene Kapitel unterteilt. Die schwedische Jungendbuch-Autorin Sara B. Elfgren, von der das Storyboard stammt, hat ordentlich viel Witz und Charme in die schablonenartigen Figuren gesteckt. Auch die Umgebung der Pappwelten sind mit einer Menge Details gespickt. Wer des Schiffmanns-Englischs nicht mächtig ist oder gehobene Floskeln im britischen Akzent nicht so gut versteht, dem sei nahegelegt, dass keine deutsche Ton- oder Untertitelspur zur Wahl stehen. Denn was die Spielfiguren untereinander erzählen, kann durchaus ausschlaggebend sein, wenn ihr einem Versteck etwas suchen oder Hinweisen nachgehen müsst. Allerdings beschränkt sich das auf ein paar wenige Spielszenen.

Die explorativen Spielwelten mit erzählerischen Animationssequenzen sind sehr lustig und abwechslungsreich gehalten. Ohne zu viel verraten zu wollen, seien einige Beispiele genannt: Einmal müsst ihr mit einem Pinsel ein Kunstwerk malen. Um an die Farbe Rot zu gelangen, panscht ihr mit dem grossen Malwerkzeug in den saftigen Tomaten des Gemüseverkäufers rum. Und wenn es einmal darum geht, einen riesigen Kran zu reparieren, müsst ihr eine Meeresmuschel kitzeln, die sich an einem Goldstück verschluckt hat, damit ihr den Gegenstand einer gierigen Elster unterjubeln könnt. Das alles nur, damit sie von einem wichtigen Gegenstand loslässt.

Geisterhände zittern nicht

Das Tracking der Move Controller lässt aber bei «Ghost Giant» ein wenig zu wünschen übrig. Zwar sind die Peripheriegeräte mit den LED-Gummibällen etwas betagt, aber ein bisschen softwareseitiges Tuning wäre da bestimmt noch möglich gewesen. In den bunten Schaukasten, die in zwei bis drei Sichtradien gegliedert sind, bewegt ihr euch in der der 180-Grad-Perspektive. Zwar könnt ihr auf Tastendruck nach links und rechts Ausschau halten, aber sobald ihr etwas greifen müsst, verheddert sich das Anvisieren und euer Greifarm oder Pinsel zeigt auf einmal in eine völlig andere Richtung. Da scheitern auch sämtliche Kalibrierungsversuche. Um euch diese Misere nicht zusätzlich zu erschweren, solltet ihr gut darauf achten, die Kamera optimal auf eure sitzende oder stehende Position auszurichten.

Interaktives Märchenkino

Das Spielgeschehen in «Ghost Giant» ist unterhaltsam und stark an das VR-Puzzle-Spiel «Moss» angelehnt, das unsere Kollegen vom Games.ch getestet haben. «Ghost Giant» adaptiert viel von dem Mäuserich mit seinen labyrinthartigen Levels. Das Geisterabenteuer spielt sich aber insgesamt eher wie ein Lucas-Arts-Adventure, natürlich ohne die damals üblichen Point-and-Klick-Gesten mit dem Computerzeigegerät. Das geht selbstverständlich auch hier mit euren Händen und eurer Kopfbewegung (und eurem Atem entlang des VR-Mikrofons) in der virtuellen Realität.

So könnt ihr mit den Move Controllern auch greifen, schütteln oder mit Gegenständen werfen. Allerdings gibt es keine verschiedenen Wege und Dialogpfade. Alles folgt einer linearen und unterhaltsamen Bilderbuchgeschichte. Einziger Nachteil des strikten Handlungsdrangs von A nach B: Wenn ihr hie und da einmal einen Hinweis überseht, könnt ihr länger ins Grübeln geraten. Das ist mir doch an bei etwa zwei Spielabschnitten widerfahren.

Fazit

Summary

«Ghost Giant VR» ist ein herzerwärmendes VR-Abenteuer, in dessen Charaktere und Umgebungswelten viel Liebe und Witz eingeflossen ist. Eigentlich kann man eher von einem interaktiven Märchen mit Puzzle-Elementen sprechen. Das Tracking der Move Controller ist jedoch etwas fehleranfällig. Dafür gibt es einen Abzug. Ein unterhaltsames Spielerlebnis ist «Ghost Giant» jedoch allemal.

Pros

  • Gemütliches Puzzle-Abenteuer
  • Witzige Charaktere und schönes Puppentheater

Cons

  • Fehlerhaftes Controller-Tracking
  • Teilweise wenig Hinweise, die auch einmal für längeres Grübeln sorgen können.

Bewertung im Detail

  • Sound
  • Gameplay
  • Umfang
  • Präsentation
7.9 10 Empfehlenswert!