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So rekonstruiert die Polizei Kriminalfälle in 3D

Um Kriminalfälle aufzuklären, rekonstruiert die Polizei Orte des Verbrechens am Computer – in 3D. Was nach Science Fiction klingt, hilft tatsächlich bei Mordermittlungen.

Man tauche ein in eine Szenerie, die schlimmer nicht sein könne. Denn das, was es zu sehen gäbe, sei Realität und nicht die Fiktion eines Videospiels.Die Aufnahmen würdn brutale Morde, die Opfer der Verbrechen, die Tatorte zeigen – alles in gestochen scharfen Bildern, mit sämtlichen schrecklichen Details. Alles ist dreidimensional und so plastisch, als stünde man selbst mittendrin im Ort des Verbrechens, erläutert der Journalist Ralph Hub Abendzeitung München.

Mitten im Ort des Verbrechens

„Ich bin in der Küche einer Dachgeschosswohnung. Ein paar Schränke, ein Tisch, zwei Stühle, Mikrowelle, auf einer Ablage steht ein Nutella-Glas. Ein bizarrer Gegensatz dazu ist der komplett mit Blut verschmierte Boden. Die Spuren reichen bis unter die Zimmerdecke. Unwillkürlich halte ich den Atem an, als ich mich vorsichtig durch den Raum bewege. Ein Schuh liegt am Boden. Mit den Markern in meinen Händen kann ich ihn greifen, ihn von allen Seiten betrachten – so als halte ich ihn tatsächlich in Händen“ erzählt er offensichtlich beeindruckt, da er ja gerade eben noch in Wirklichkeit in einem fast leeren Raum in einem Labor des Landeskriminalamtes gestanden ist.

Innert wenigen Minuten wird alles eingescannt

Bis ins letzte Detail ist alles am Tatort nachgebildet. Nichts ist den Scannern entgangen. Lediglich drei bis vier Scans sind im Schnitt notwendig, um ein Zimmer komplett zu erfassen. Das dauert oft nur wenige Minuten. Die Geräte können selbst nachts und in absoluter Dunkelheit eingesetzt werden. So wie nach dem Amoklauf im Juli 2016, als ein 18-Jähriger am Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschoss und anschließend sich selbst das Leben nahm.

OEZ-Amoklauf 2016: Experten der 3D-Rekonstruktion rückten an

Noch in der Nacht rückten damals die Experten der 3D-Rekonstruktion an und begannen mit ihrer Arbeit. 15 Stunden dauerte es, dann war jeder einzelne Tatort erfasst.

Auch nach dem Zugunglück bei Bad Aibling im Februar 2016 waren die LKA-Experten vor Ort. Vom Hubschrauber aus scannten sie die Unglücksstelle. Im Prozess gegen den damaligen Fahrdienstleiter, der zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist, spielten die Erkenntnisse eine wichtige Rolle zur Rekonstruktion des Unglücks. Auch im Kriegsverbrecherprozesse gegen Reinhold Hanning, Wachmann im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, half die 3D-Technik. Die LKA-Experten rekonstruierten mithilfe alter Fotos das Todeslager. Ralf Breker: „Das ist Realität, die wir in den Gerichtssaal holen konnten.“

Tage bis Wochen zur Rekonstruktion

Die Computer im LKA-Labor rechnen die erfassten Daten in dreidimensionale Bilder um. Das kann Tage dauern, manchmal sogar Wochen, bis eine komplette Tatortrekonstruktion abgeschlossen ist. „Die Aufnahmen werden noch in 100 Jahren zur Verfügung stehen“, prophezeit Ralf Breker, Chef der 3D-Rekonstruktion beim Landeskriminalamt.

Den Tatort in den Gerichtssaal holen

Die Daten können auf einem normalen Laptop, einem Tablet oder einem Handy abgerufen werden. Der komplette Tatablauf lässt sich rekonstruieren. Die Angaben von Zeugen oder eines Angeklagten können bis ins letzte Detail überprüft werden. „Richter, Staatsanwalt, Verteidiger – sie alle können sich einen Eindruck verschaffen, so als stünden sie in diesem Moment selbst am Tatort“, betont Ralf Breker.

Bis zur Obduktion kann man VR einsetzen

Die Scanner können nicht nur die Kulisse eines Verbrechens rekonstruieren. Sie können auch die Opfer für immer konservieren – deren Körper, deren Verletzungen, einfach alles.

Selbst virtuelle Obduktionen sind inzwischen möglich. Dabei bewegt man sich durch den Körper des Toten. Beispielsweise ist es möglich, Muskelgewebe und Organe beiseitezuschieben, den Stichkanal zu verfolgen bis exakt zu der Stelle, an der die Klinge das Herz traf. Alles lässt sich im 3D-Drucker erstellen. Gesichter, Verletzungen, Körperteile, sogar eine komplette Leiche könnte man im 3D-Drucker entstehen lassen und das, lange nachdem der Tote beerdigt wurde.

Klingt etwas nach Sciencefiction, es ist aber wohl bereits die Wirklichkeit.

Quelle: Abendzeitung München

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