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Interview: „Wearecinema“ Virtual Reality Kino

Das erste Schweizer VR Kino wearecinema.ch öffnete im Juli 2016 seine Pforten in Zürich. VR Room bekam die Gelegenheit, mit Corinne Oschwald, einer Mitbegründerin des Pionierprojekts VR Kino – We Are Cinema über die Erfahrungen des Teams mit diesem ganz neuen Kinoerlebnis zu sprechen. Was das VR Kino Zürich so spannend macht, vor welchen Herausforderungen Filmemacher stehen, ungeahnte Komplikationen, und warum ein Kino, bei dem man voneinander abgeschottet ist, vielleicht sogar sozialer als unsere herkömmlichen Kinos ist.

VR Room: Ursprünglich wolltet ihr eine Sport-App entwickeln, als ihr dabei auf die VR Brillen aufmerksam geworden seid. Auf Facebook stellte sich dann heraus, dass sich viele andere Leute auch für das Thema interessieren. Wie kam es ab da zum VR Kino, das jetzt existiert?

Corinne Oschwald: Unser erster Gedanke war, herauszufinden, ob überhaupt eine Nachfrage vorhanden ist. Um das in Erfahrung zu bringen,  haben wir zuerst den Verkauf gemacht, und hatten so auch gleich ein Datum, an welchem alles bereit sein muss. Somit hatten wir direkt eine Deadline, auf die wir hingearbeitet haben. Das heisst, dass wir bis dahin eine Location gesucht, die VR Headsets und Stühle gekauft, die ganzen Prozesse organisiert haben. Das mit der Location war noch ein bisschen speziell, wir haben uns nämlich getreu der Sharing-Economy überlegt, welche Orte beispielsweise an einem Montag oder Dienstag nicht ausgelastet sind. Das waren typischerweise Nachtclubs.

Warum geht man für VR Filme ins Kino, und was macht dieses Erlebnis so besonders?

Ich denke, zuallererst wollen die Leute das Headset ausprobieren. Laut einer Umfrage, die wir gemacht haben, besitzen lustiger Weise 70 Prozent der Besucher kein Headset und wollen auch keines kaufen. Es kommen also Viele zu uns, die das Ganze einfach mal ausprobieren wollen. Wir sind aber auch spannend für Menschen, die Fans von neuen Technologien sind, und da immer ganz vorne mit dabei sind. Das sind auch die Leute, die uns eigentlich weiterbringen, weil sie uns gerne Feedback und Verbesserungsvorschläge bringen, so ganz nach dem Motto; „Hey, ändert doch noch das und das, dann kommts besser.“

Wie wählt ihr die Filme aus, die ihr dann schlussendlich zeigt?

Das Ziel ist eigentlich, Filme in verschiedenen Kategorien zu haben, damit wir Themenabende oder dergleichen machen können. Leider ist der Markt für den Content noch nicht so voll, wie wir das gerne hätten. Es gibt wirklich wenige gute VR Filme, die man in einem Kinosetting zeigen kann. Deshalb suchen wir oft gezielt nach Regisseuren oder Startups, um die Filme direkt zu lizensieren.

Und welche Themen umfasst euer Angebot bis jetzt?

Bei uns im Moment sind Dokumentarfilme ein grosses Thema, die kommen sehr gut an. Weiter natürlich Horror, welcher in VR natürlich super wirksam ist. Als letzte Kategorie haben wir, künstlerisches, experimentelles, so könnte man das nennen.

Wie fallen so die Rückmeldungen von den Besuchern aus? Gibt es Feedbacks, von denen man sagt, die kommen häufig?

Wir haben aktiv Rückmeldungen gesammelt. Interessanter Weise wird zum Beispiel die Qualität kaum bemängelt, obwohl der Bereich VR Film ja noch sehr jung ist. Die Länge der Filme ist aber verständlicherweise einigen zu kurz, es sind ja zum grössten Teil nur Kurzfilme. Aber die Meisten würden wiederkommen, sobald neue Filme zu sehen sind. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass sich von denen niemand ein Headset für zu Hause kaufen würde.

Man hört ja immer wieder mal von Motion Sickness und ähnlichen Komplikationen. Gab es schon Schwierigkeiten oder Reaktionen, mit denen ihr akut umgehen musstet?

Nein, das kam zum Glück noch nie vor. Es ist allerdings mal passiert, dass sich zwei Leute beim Drehen mitten in einem Horrorfilm berührt haben.*Lacht* Da hatten wir ein Popcorn-am-Boden-Problem. Was die Leute zum Teil auch nicht verstehen, ist, dass man sich auf den Drehstühlen drehen muss, die wir in unserem Kino haben. Also haben wir einen Text implementiert, den die Besucher lesen und bemerken, „ Ah! Ich muss mich da irgendwie drehen!“ Aber Motion Sickness war noch nie ein Problem.

Steven Spielberg erwähnte mal, dass VR für ihn ein gefährliches Medium ist, da die Art und Weise, wie Filme gedreht werden, wie sie erdacht werden, völlig neu definiert werden muss. Wie wir auch festgestellt haben, muss man die Zuschauer viel mehr leiten, damit sie auch in die richtige Richtung schauen.

Meiner Meinung nach ist das eigentlich ein sehr interessanter Neupunkt für den Filmemacher. Er kann eigentlich eine Aktion aktiv zeigen, und eine Aktion daneben passiv, und so dem Zuschauer die Möglichkeit geben, sich auszusuchen, wo er hinschauen will. Wir merken auch oft, dass nach einer Vorstellung sehr viel Diskussionsstoff da ist, die Besucher ziehen die Headsets ab und fangen an sich darüber auszutauschen, wohin sie geschaut, was sie gesehen haben. Das Ganze macht die Kinovorstellung eigentlich noch sozialer, als jetzt eine normale Vorstellung, bei der alle das Gleiche sehen.

Wenn ihr jetzt so die Inhalte anschaut, in welche Richtung sollten sich eurer Meinung nach die VR Filme entwickeln, was würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?

Action, Actionfilme! *Lacht* Das ist ein guter Mix zwischen Horror, der für viele Zuschauer vielleicht ein bisschen zu extrem  ist, und Dokumentarfilmen, die für andere Zuschauer ein bisschen zu langwierig sind. Ich denke,  Action wäre der perfekte Mix für uns.

Gibt es zum Abschluss noch bestimmte VR-Filme, die ihr uns empfehlen könnt?

Ein Klassiker ist Sonar. Da fliegt man mit einer Kapsel durch das Weltall, als plötzlich- Punkt, Punkt, Punkt…Mehr verrate ich nicht.

Herzlichen Dank für das Interview!

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