ETH VR Forschung

Asynchrone Realität: ETH Forscher halten Zeit in der Virtual Reality an

Zwei Forscher der ETH Zürich manipulieren die Zeit am VR-Arbeitsplatz: Um die Konzentration zu fördern, blenden sie Unterbrechungen in der Realität per VR Brille aus und zeichnen sie für die spätere Ansicht auf.

Wissenschaftler der ETH Zürich stellen in ihrer Forschungsarbeit das Konzept der asynchronen Realität vor. Dabei wird in einem immersiven Arbeitsumfeld die Zeit angehalten, um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Anschliessend können in der Realität verpasste Ereignisse in der Virtual Reality nachgeholt werden.

Zeitmanipulation für konzentrierteres Arbeiten in VR

Ein Forschungsteam der ETH Zürich widmet sich den immersiven Büros der Zukunft und entwickelt ein bisher einzigartiges Tool, das zeigt, welche neuen Möglichkeiten der XR Arbeitsplatz bringen könnte: Asynchronous Reality soll immersives Arbeiten in der Virtual Reality fördern. Gelingen soll das mit dem sogenannten Focus Mode, der die Zeit im virtuellen Arbeitsplatz anhält.

Interaktionen aus der Realität oder von Kolleg:innen, die mit euch über eine AR Schnittstelle arbeiten, werden dabei ausgeblendet. Erst wenn ihr den Focus Mode deaktiviert, läuft die Zeit für euch wieder normal weiter und die eigentlich bereits vergangenen Geschehnisse ereignen sich in eurem virtuellen Workspace.

Für die Erstellung einer asynchronen Realität rekonstruiert das System volumetrische Szenen mit 3D-Tiefenkameras in Echtzeit. Laut den Forschern soll es in der Lage sein, kausale Abhängigkeiten von Handlungen zu erkennen und Situationen selektiv in der Wahrnehmung der Nutzer:innen abzuspielen.

Asynchrone Realität im Arbeitsalltag: Ein Beispiel-Szenario

In einem neunminütigen Video präsentieren die Forschenden, wie ein Arbeitsalltag in der asynchronen Realität aussehen könnte. Das Beispiel-Szenario zeigt einen Programmierer, der mit seiner Kollegin in einem immersiven Arbeitsumfeld an einem VR-Spiel und dem 3D-Design einer daraus entwickelten Actionfigur arbeitet.

Das Büro ist mit Kameras ausgestattet und Personen und Objekte werden über Echtzeit-3D-Scans in die virtuelle Umgebung gestreamt. Nach Besprechungen in der Realität und einem geteilten virtuellen Arbeitsumfeld wechselt der Programmierer in den Focus Mode. Um Ablenkung auszublenden, spielt die VR-Brille ein Rauschen ab und das System blendet nur noch gescannte Objekte in unmittelbarer Nähe ein wie Maus, Tastatur oder den Schreibtisch.

Vergangene Geschehnisse werden als Hologramme abgespielt

Kommt nun eine Kollegin durch die Tür, wird sie zwar von den Kameras gescannt. Der Programmierer bekommt davon allerdings zunächst nichts mit. Das System speichert den gesamten Vorgang und Veränderungen im Raum, die etwa durch ein neu hereingebrachtes Objekt entstehen können.

Diese neuen Objekte werden zunächst lediglich als glitzernde Umrisse gerendert. Dadurch bemerkt sie der Programmierer nur, wenn er sich aus eigenem Antrieb umdreht. Er bekommt auch keine Benachrichtigung.

Sieht er das neue Objekt und möchte es begutachten, tippt er es in der Virtual Reality an. Das System spielt das aufgezeichnete Geschehen für ihn wie ein kurzes Hologramm ab. Er sieht, wie die Kollegin das Objekt hereinbringt, auf den Tisch legt und hört, was sie zu ihm sagt.

Asynchronous Reality erkennt kausale Zusammenhänge

Geschehen während des Focus Modes mehrere Ereignisse, die vorherige verändern, wie das Hinzufügen oder Wegnehmen neuer Objekte, erkennt das System die kausalen Zusammenhänge. Es erstellt eine Timeline und markiert zusammenhängende Geschehnisse automatisch.

Spielt der Programmierer also nach Beendigung des Focus Modes zunächst das Ereignis ab, das als letztes passierte, zeigt ihm das System zuerst die für das Verständnis des gesamten Vorgangs nötigen Geschehnisse. Weitere Beispiele und Details zum Prototyp des Asynchronous-Reality-Büros findet ihr im Forschungspapier der Wissenschaftler.

Quelle: Mixed / Youtube

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