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Thun-Panorama: Wie Bilder eine Landschaft schaffen

Thun Panorama

«Jenseits des Panoramas. Zur Konstruktion von Landschaften» – die Sonderausstellung im Thun-Panorama zeigt überraschende Dimensionen der Inszenierung von Bildern. In ihr wird auf medial vielfältige und bereichernde Art und Weise u.a. auch mit Virtual Reality gezeigt, wie Landschaft in den letzten 200 Jahren in Rundbild, Film und Fotografie konstruiert und inszeniert wurde.

Im Thun-Panorama konnte am Dienstag, 30. Juni, endlich die Sonderausstellung 2020 eröffnen. Die Ausstellung wirft einen neuen Blick auf das Panorama. Die Spätblüte dieses Mediums am Ende des 19. Jahrhunderts fiel in die Zeit der ersten Filme, wo das Spiel mit der Illusion in konstruierter Landschaft auf neue Art inszeniert wurde.

Die Ausstellung untersucht, wie jenseits des Panoramas die Medien Film, Video und digitale Kunst seitdem die Möglichkeiten zur Darstellung von Landschaft neu ausloten. Werke von Gary Beydler, Rémy Zaugg/René Pulfer und Philipp Gasser treffen dabei auf eine filmische Rekonstruktion einer Stadtlandschaft von 1896 in 3D.

«Landschaft» ist nichts Vorgegebenes

Die Ausstellung «Jenseits des Panoramas – Zur Konstruktion von Landschaft» will einen zentralen Ausschnitt der verschlungenen Bildgeschichte in Szene setzen. Sie tut dies im Hauptteil anhand der beiden Zäsuren in der Schweizer Panoramalandschaft: 1809, als Marquard Wocher mit dem Thuner Panorama begann, und 1903, als Auguste Baud-Bovys gefeiertes Jungfrau-Panorama auf Tournee in einem Sturm in der Irischen See versank.

Alleinig übriggebliebene Spur dieses gigantischen Panoramas ist die in der Ausstellung gezeigte Ölbildmaquette, das sogenannte Aeschi-Panorama. Eine eigens für die Ausstellung produzierte Aufnahme mit neuster Medientechnologie verbindet die heutige Rundsicht von Thun, wie sie aus Marquard Wochers Blickpunkt aufgenommen wurde, in Aufprojektion mit dem historischen Panorama.

Konstruktion von Landschaft in Film, Video und digitaler Kunst

Die Spätblüte des Panoramas fiel in die Zeit der ersten Filme Ende des 19. Jahrhundert. Darin wurde das Spiel mit der Illusion in konstruierter Landschaft auf neue Art inszeniert. So auch in den in der Ausstellung gezeigten, neu erforschten Filmen des Schweizer Unternehmers Henry Lavanchy-Clarke, der mit dem soeben lancierten «Cinématographe Lumière» das Village Suisse der Landesausstellung 1896 in Genf – mitsamt künstlichem Berg – filmte, in welchem sich das gigantische Jungfrau-Panorama von A. Baud-Bovy verbarg.

Mit VR auf die alte Rheinbrücke

Ein weiterer Film von Lavanchy-Clarke, den er 1896 auf der Alten Rheinbrücke von Basel gedreht hat, kann in der Ausstellung – ausgeweitet zu einer computergenerierten Panoramasicht – mittels anaglyphem Video in 3D Stereo erlebt werden.

Die virtuelle Rekonstruktion der Alten Basler Rheinbrücke bringt nicht nur die Rundum-Sicht des Panoramas zurück: Sogar der Raum jenseits des Faux terrains wird nun virtuell begehbar. Der Computer konstruiert also auch jene Landschaftsbereiche, die jenseits unseres Blickfeldes beziehungsweise Standpunkts liegen.

Das Bild und sein Trägermedium in und zwischen den imaginären Landschaften ist auch das Thema von Rémy Zauggs Filmen Projections von 1990/2019, entstanden in Zusammenarbeit mit René Pulfer. Philipp Gassers (*1958) 3D-Computer-Animation Neuer Schnee schliesslich nimmt das Thema des Panoramas in der uns vertrauten Form einer Bergstation-Webcam auf.

Zeitreise der Medientechnologien

Er zeichnet den Ausblick auf Bergün und den Wetterverlauf im Albula-Tal von 7.00 bis 19.00 Uhr digital nach. Zugleich ist diese mediale Landschaftskonstruktion zweiten Grades eine Zeitreise: Die konstruierten Bilder durchlaufen die Medientechnologien vor High Definition, iPhone und Virtual Reality – und alle diese Rückwärtsschritte hinterlassen ihre Spuren und Artefakte.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Simone Büsch-Küng, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstmuseum Thun, Hansmartin Siegrist, David Bucheli und Andreas Weber (Projekt Digital Literacy and Early Swiss Cinema am Seminar für Medienwissenschaft der Universität Basel), in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel (FHNW), Andreas Wenger, Institut Innenarchitektur und Szenografie und dem französischen Centre national du cinéma et de l’image animée (CNC), mit freundlicher Unterstützung der Gebert Rüf Stiftung.

Quelle: jungfrauzeitung

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