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Test: Blood and Truth (PSVR)

Benjamin Braun, Games.ch

80

Empfehlenswert!

Auch Mafia-Familien können Sympathieträger sein. In Sonys VR-Shooter zeigt ihr als krimineller Sprössling noch fieseren Kerlen, wo’s langeht. Doch was taugt die Story des Quasi-Sequels zu «London: The Heist»? Wie vielfältig ist das Gameplay und vor allem; macht der PSVR-Exklusivtitel Spass? Die Antworten erfahrt ihr in unserem Test und Review-Video der Kollegen von Games.ch.

So richtig ins Geschäft seiner Mafia-Sippschaft wollte Ryan Marks eigentlich nie einsteigen. Stattdessen verpflichtete er sich als Soldat für sein Vaterland England. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters will der Geschäftsmann Anthony Sharpe jedoch das Imperium seiner Familie übernehmen – und das notfalls mit Gewalt! Doch wo vor allem Waffen gefragt sind, da ist ein Ex-Elitesoldat genau der Richtige, um die Pläne des widerspenstigen Unsympaths zu vereiteln. In «Blood and Truth» geht es aber nicht nur darum, Feinde mit blauen Bohnen niederzumähen. Es geht auch ums Entschärfen oder legen von Bomben, das Knacken von Schlössern und eben um Ryans Familie. Ist der Titel von SIE London Studio bloss Teil einer neuen Welle, um dem PSVR-Headset von Sony irgendwie neuen Stoff zu liefern oder vielleicht einer, der wie «Astro Bot» sogar einen unwiderstehlichen Kaufgrund liefert?

Mafia-Story der anderen Art

Wenn es in Filmen um die Mafia-Clans geht, dann bleiben gewisse Sympathiewerte selbst bei den kriminellen Akteuren nicht zwangsläufig aus. Im Gegenteil: gute Mafia-Geschichten lassen uns die Motive der Protagonisten nachvollziehen, selbst wenn dabei Menschen sterben. «Blood and Truth» gelingt dies ebenfalls, wenn unser Hauptheld Ryan, seine Geschwister und deren Mutter gemeinsame Sache machen, um das Familien-Imperium gegen äussere Einflüsse zu schützen. Nein, es ist keine Mafia-Geschichte vom Schlage eines «Der Pate» oder «GoodFellas». In Spielemassstäben betrachtet ist die Story jedoch keinesfalls zu verachten und erinnert in ihrem Stil oft an Heist-Filme wie The Score oder Ocean’s 13.

Spannend ist die Story auch, da sie zunächst in Rückblenden erzählt wird. Unser Held sitzt im Verhörraum eines Geheimdienstlers. Seine Verbrechen will niemand einfach unter den Teppichen kehren, doch braucht der Staat Ryans Hilfe, um Anthony Sharpe in die Schranken zu weisen und Ryan den Geheimdienst, damit wenigstens seine Familienangehörigen straffrei ausgehen können. Dadurch entsteht recht schnell eine enge Bindung zwischen Ryan und dem Agent, die schliesslich – wie sollte es auch anders sein – vom Erfolg gekrönt wird.

Ab und zu sind die reinen Storysequenzen vielleicht etwas zu langatmig inszeniert oder zeigen Fehler. So dringt ihr mit eurem Bruder etwa nachts in eine Kunstmuseum ein. Als ihr die Porträts eures Widersachers mit einer Farbkanone bespritzt, machen sich beide auch dann noch über die Aktion lustig, selbst wenn ihr längst eure Hände von der übergrossen Farbkanone genommen habt. Langweilig wird es im Rahmen der Haupthandlung aber nie und es entsteht tatsächlich ein Bezug zu den handelnden Personen. Im Vordergrund steht in «Blood and Truth» aber dennoch das Gameplay, das nicht nur aus reinen Ballerorgien besteht.

Ballern und noch viel mehr

Die Haupthandlung führt euch durch insgesamt 19 Missionen unterschiedlicher Länge – insgesamt wird euch die Story für grob vier bis sechs Stunden unterhalten. Der Waffeneinsatz steht dabei klar im Zentrum, wobei von Pistolen, Revolvern über MGs und Sturmgewehren bis hin zum Granatwerfer so ziemlich alles gegen eure Feinde einsetzt, was das Shooter-Herz begehrt. Prinzipiell könnt ihr fast all diese Waffen mit nur einer Hand einsetzen. Bei den Langwaffen nutzt ihr allerdings die zweite Hand zur Stabilisierung oder müsst bei einer Schrotflinte damit dem Repertier-Mechanismus manuell bewegen. Die freie Hand nutzt ihr darüber hinaus, um ein neues Magazin in euren Schiessprügel zu laden, wofür ein manueller Griff an euren Brustbeutel notwendig ist. Dies gilt jedoch nur, wenn ihr «Blood and Truth» mit Move-Controllern spielt. Alternativ ist auch die Eingabe per DualShock 4 möglich, was wir aufgrund der erheblich geringeren Immersion jedoch nicht empfehlen. Der Vorteil, dass ihr dabei besonders simpel einfach per Klick auf den Bumper nachladen könnt, wird insbesondere durch die Schwächen bei den anderen Spielmechaniken wie dem Klettern mehr als nur dezent torpediert.

In «Blood and Truth» habt ihr nämlich nicht ständig den Finger am Abzug, sondern kraxelt auch an Leitern oder Baugerüsten hoch, was sich nur mit den Move-Controllern gut anfühlt. Darüber hinaus erwartet euch eine Reihe von Minigames, bei denen ihr Schlösser knackt, in Schaltkästen neue Sicherungen einsetzt oder auch mit Analogsticks in der Spielwelt eine Sattelitenschüssel verschiebt, um den Funkverkehr der Gegner lahmzulegen. Das bringt viel Abwechslung ins Geschehen und fügt sich sehr gut ins überwiegend auf Baleraction und Story fokussierte Gesamtkonzept ein.

Linear mit Extras

Der Verlauf der Handlung ist an sich strikt linear, in den Levels gibt es nur hier und dort mal einen alternativen Pfad, der sich letztlich jedoch weder spielerisch noch atmosphärisch nennenswert unterscheidet. Frei bewegen könnt ihr euch in den Levels, die euch unter anderem durch Casinos, in ein Kunstmuseum, auf Baustellen oder auch in grosser Höhe auf das Dach eines Wolkenkratzers führen, nicht. Stattdessen gibt euch das Spiel fest Wegpunkte vor, die ihr per Headtracking anvisiert und per Knopfduck ansteuert. Die Gegner greifen euch in den Gebieten im Regelfall in endlichen Wellen an und können euch nur in Ausnahmefällen von hinten attackieren. Das ist auch sinnvoll, da ihr zwar so gut wie immer zwischen Wegpunkten links und rechts von euch wechseln könnt, um eine bessere Deckung aufzusuchen, zu vorgelagerten Punkten aber nicht zurückkehren könnt. Drehen könnt ihr euch dabei nur durch die Blickrichtung, hinter einer Deckung Schutz suchen nur, indem ihr euch tatsächlich leicht nach unten respektive zur Seite bewegt.

Trotz des linearen Verlaufs, aufgrund dessen sich auch der Wiederspielwert stark in Grenzen hält, gibt es aber dennoch einiges am Rande zu finden. So existieren in den Levels etliche Sammelobjekte, die eurem Versteck hinzugefügt werden. Ballert ihr teils leicht versteckte Zielkreuze in der Umgebung ab, kassiert ihr Punkte, die ihr im Versteck in Waffenmods investiert. Sonderlich zur Langzeitmotivation tragen diese Elemente jedoch nicht bei. Auch die Punkte-Challenges, die ihr später unabhängig von der Solokampagne angehen dürft, werden euch kaum mehr als ein paar wenige Stunden länger an «Blood and Truth» binden.

 

Fazit

Summary

«Blood and Truth» mag unterm Strich nicht ganz an das Niveau von PSVR-exklusiven Vorzeigetiteln wie «Astro Bot: Rescue Mission» heranreichen. Was bleibt, ist aber immer noch ein richtig guter VR-Shooter, der mit immersiver und vielseitiger Spielmechanik und sogar mit einer gut inszenierten Geschichte für einige Stunden hochwertige Unterhaltung liefert. Vielleicht könnte das Tracking der Move-Controller etwas präziser sein, die ordentliche Grafik noch etwas besser. Die kleineren Schwachpunkte aber ändern nichts daran, dass wir «Blood and Truth» VR-Fans guten Gewissens empfehlen können. Einschränkend aber müssen wir sagen, dass diese Empfehlung nur bei Nutzung zweiter Move-Controller gilt. Prinzipiell funktioniert «Blood and Truth» zwar auch mit dem DualShock 4, macht dabei aber nur halb so viel Spass. Kurzum: Ein lohnenswerter VR-Shooter, den sich PSVR-Besitzer nicht entgehen lassen sollten!

Pros

  • Immersive Waffennutzung mit Move-Controllern
  • Abwechslungsreiche Spielmechanik
  • Gut inszenierte, unterhalsame Story
  • Sehr ordentliche VR-Grafik mit schönen Effekten
  • Passende deutsche Sprecher und wuchtige Soundeffekte

Cons

  • Mit DualShock 4 deutlich schlechter als mit Move

Bewertung im Detail

  • Präsentation
  • Sound
  • Gameplay
  • Umfang
8 10 Empfehlenswert!