Share, , Google Plus, Pinterest,

Drucken

Posted in:

Test: Immortal Legacy für PSVR

78

Mittelmässig!

Das Action-Horror-Adventure-Spiel «Immortal Legacy: The Jade Cipher» ist seit wenigen Tagen exklusiv für die PSVR erhältlich. Ursprünglich war einmal die Rede von einer Ankündigung auf den 20. März (wir berichteten), doch hat Viva Games, ein kleiner chinesischer Entwickler und Publisher, das Spiel dann doch um einige Wochen verschoben. Daher waren wir selber überrascht, als uns vor kurzem ein Testmuster erreicht hat. Aber hat sich das lange Warten auch gelohnt?

Gleich vorweg: Das Spiel kostet im digitalen PlayStation Store der Schweiz Fr. 22.90: Das ist mehr als fair – gemessen an der Qualität und der Länge des gesamten Titels. Wir müssen aber auch über ein paar Mankos reden und wollen zartbesaitete Spielernaturen schon einmal vorwarnen: Nein, so viele Schockmomente eines typischen Survival-Horror-Abenteuers sind in dem langen VR-Erlebnis, das sich über gut fünf bis sechs Stunden hinzieht, nicht enthalten. Der fertige Titel hat eher etwas vom linearen Actiongehalt eines «Uncharted» oder «Tomb Raider», und das in sehr gekonnter Manier; aber es gibt auch ein paar sehr unfaire Stellen.

In der Story steckt ihr in der Haut von Tyre, einem Ex-Soldaten einer Spezialeinheit. Nach dem mysteriösen Tod eurer Mutter reist ihr auf die Insel Yingzhou. Zusammen mit der ehemaligen Freundin der Mutter versucht ihr, die Wahrheit über ihren Tod und ihre rätselhafte Vergangenheit aufzudecken. Dafür stehen bis 15 Waffen zur Verfügung, die mit zwei PlayStation-Move-Controllern genutzt werden. Bei der Erkundung der Insel wird Tyre mit menschlichen und nicht-menschlichen Gegnern konfrontiert und kommt einer geheimen Organisation auf die Spur, die grausame Experimente durchführt. Die Handlung basiert anscheinend auf einer alten chinesischen Legende, die für das Spiel in die Gegenwart übertragen und entsprechend inhaltlich modernisiert wurde.

Mit den PlayStation Move Controllern könnt ihr euch dabei über die eine Move-Taste im normalen Schritttempo fortbewegen. Wenn ihr beide Move-Tasten gleichzeitig gedrückt hält, sprintet ihr in die gewünschte Blickrichtung. Das Steuerungsschema ist sehr schlicht gehalten, aber auch mit ein paar Komplikationen verbunden. Der PSVR-bedingte 180-Grad-Aktionsradius, in welchem ihr am besten an Ort und Stelle vor der Kamera stehenbleibt, ist weniger das Problem. Da wurde an alles gedacht: Ihr könnt sogar über die Controller-Tasten sanft nach links und rechts ausweichen («Strafing»), um feindlichen Projektilgeschossen galant zu entweichen.

Das Inventarmenü erwies sich dagegen als unhandlich. Zwar steht euch sowohl links- als auch rechtshändig eine Schnellwechseloption zur Verfügung, aber ihr könnt eigentlich nur links und rechts mittels längerem Gedrückthalten einer Steuerungstaste zwischen den Waffen wechseln, und es wird kein Unterschied zwischen Medikamenten und weiteren Gegenständen wie Granaten gemacht. Das kann schon sehr frustrieren, wenn es schnell gehen muss und die Munition knapp wird. Eine solche Schnellwahl hätte man schlicht und einfach auf das Wichtigste, eure Handfeuerwaffen, begrenzen können.

Eile mit Weile

Grosso modo ist die Spielmechanik aber sehr geschmeidig. Wir fühlten uns vom ersten Moment an in die Umgebung hineingezogen. Kleines Manko hier: Es gibt praktisch null Komfortoptionen, um Einstellungen wie die Bewegungstempo, Blickwinkel oder das Sichtfeld anzupassen. Umso erstaunlicher ist, dass sich alles sehr gut anfühlt und man das Adventure mit Triple-A-Qualitäten auch gut eine Stunde am Stück geniessen kann, ohne dass es einem übel wird. Verirren kann man sich zudem selten. Ein Richtungspfeil auf dem Boden weist euch stets die Himmelsrichtung, sodass ihr euch trotz eurer ständigen Sucheskapaden nach Munitionskisten gar nicht verirren könnt. Die Umgebung geniesst man: Die grafische Kulisse vermag sogar mit sehr vielen Details zu beeindrucken. Was euch erwartet, sind viele enge Pfade durch steinige Tempel und felsige Landschaften in schwindeliger Höhe. Auch der Detailreichtum der prähistorischen Bauwerke ist beeindruckend.

Wir haben «Immortal Legacy» auf der PS4 Pro gespielt. Anzunehmen ist, dass «Immortal Legacy» zusätzlich für die leistungsfähigere PS4 optimiert wurde. Sonst wäre wohl bei so viel Weitblick einiges mehr an Kantenflimmern auszumachen. Auch bei näherer Betrachtung der Handfeuerwaffen werdet ihr eine Menge bestaunen können. Das macht ordentlich Laune und intensiviert das Erlebnis. Untermalt wird die Action von einem Intro einer Bruchlandung. Vor der einleitenden Sequenz wird euch im Rahmen eines intuitiven Tutorials die ganze Bewegungsmechanik ausführlich erklärt, die sich auf wenige Grundsteuerungsmanöver beschränkt. Schon rein die erzählerische Sequenz zu Beginn des Spiels versetzt uns ins Staunen darüber, was das kleine chinesische Studio in die Entwicklung gesteckt hat.

Viele Waffen, wenig Munition

Wie eingangs erwähnt, erinnert uns «The Immortal Legacy: The Jade Cipher» sehr stark an ein Adventure-Spiel wie «Uncharted». Die Action verfolgt ihr komplett aus der Egoperspektive. So könnt ihr euch in der VR auch hinter Gesteinsbrocken verstecken, mit dem Kopf ausweichen und durchs Visier des Gewehrs zielen. Dabei geratet ihr immer wieder mitten ins Kreuzfeuer von belagernden Gegnern, die euch nicht weiter in die Tempelruinen vordringen lassen. Hier könnt ihr euch schon einmal etwas vormerken: Seid sparsam mit der Munition – immer. Angesichts der vielen taktischen Anschleich-Manöver und des sparsamen Umgangs mit euren Handfeuerwaffen wird eure Belohnungszentrale im Gehirn jedoch besonders viel Dopamin ausschütten, wenn ihr plötzlich eine blitzende Magnum sichtet oder ein Maschinengewehr seinen Besitzer verloren hat. Da sucht man auch gerne einmal ein bisschen länger nach Munition. Der Aim Controller wird übrigens nicht unterstützt.

Einmal jedoch befanden wir uns an einer sehr fiesen Stelle, bei der ein weiteres Vorankommen schlicht und einfach nicht mehr möglich war, weil der letzte Speicherpunkt einsetzte, nachdem wir schon frohen Mutes sämtliche Artillerie verballert hatten, während Gegner und Drohnen aus allen Richtungen das Vorankommen erschwerten. Ein Neustart des kompletten VR-Ausflugs war an dieser Stelle unumgänglich. Einmal werdet ihr euch in einer Situation befinden, in der euch sehr viele Laserfallen den Weg verbarrikadieren. Teilweise könnt ihr diese fast nicht passieren, wenn ihr euch nicht einer Pistole bedient und dabei ordentlich Munition verballert. Man kann sich fragen, ob Viva Games überhaupt Spieletester fürs letzte Bugtracking einberufen hat oder ob die nur Popcorn gegessen haben. Unfaire Speicherpunkte: Sowas geht gar nicht. Trotz allem bietet «Immortal Legacy: The Jade Cipher» eine Menge Spielspass, und es hat auch Endgegner!

 

Fazit

Summary

«Immortal Legacy: The Jade Cipher» ist ein grafischer und spielerischer Genuss und macht für rund 20 Franken ordentlich Laune. Wenn ihr Single-Player-Action-Spiele wie «Uncharted» oder «Edge of Nowhere» mögt, liegt das Gameplay und der Nervenkitzel irgendwo dazwischen. Allerdings ist der PSVR-Titel nicht ganz frei von Fehlern und hat ein paar fiese Stellen. Ausserdem erwies sich die Fortbewegung mangels Einstellungsoptionen als etwas träge. Doch unter dem Strich staunt man immer mehr, was man heute schon an «kleineren Titeln» in der Software-Bibliothek der PlayStation VR vorfindet. Wir sind jetzt schon gespannt, ob Viva Games dereinst noch mehr packende Adventures schmieden wird.

Pros

  • Solides Setting und sehr detailreiche Atmosphäre
  • Viele Waffen und packende Action eines Triple-A-Titels wie «Uncharted»
  • Gut sechs Stunden Spielzeit

Cons

  • Storytelling mit wenig «Häppchen-Taktik»: Die Spannung fehlt ein wenig.
  • Automatische Speicherung an unfairen Stellen kann Emotionen auslösen.
  • Unhandliches «Waffenrad», das oft ungelegen kommt

Bewertung im Detail

  • Sound
  • Präsentation
  • Gameplay
  • Umfang
7.8 10 Mittelmässig!