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Marina Abramović und ihr virtuelles Spiel mit dem Publikum

„The Life“ ist die neue Performance von Marina Abramović in der Londoner Serpentine Gallery. Die Zuschauer können die Künstlerin allerdings nur sehen, wenn sie eine Virtual-Reality-Brille aufsetzen.

Es hat etwas von Science-Fiction, von 3D-Kino und von Computerspielen mit einer Virtual-Reality-Brille. Die Sprache ist von „The Life“, die neue Performance von Marina Abramović.

Ihr Markenzeichen ist das Spiel mit dem Publikum. Diesmal ist sie nur eben nicht selber anwesend. Dass sie diesen grossen weissen Saal in der Serpentine Gallery durchschreitet, dass sie dort mit ihren Armen rudert, das können die Zuschauer nur sehen, wenn sie eine spezielle computer-gesteuerte Brille aufsetzen.

Kunst durch die VR Brille

Durch diese Gläser ist die Umgebung immer noch sichtbar, die Wände, den Boden und die anderen Personen um sich rum, sieht man also – aber das Brillenglas überträgt auch ein dreidimensionales Bild der Künstlerin, wie sie eben durch diesen Raum läuft,  und  sich dabei langsam durch das Gesicht streift.

Todd Eckard hat hier die Regie geführt, er hat Technik und Kunst zusammengebracht: „Wir haben Marina hier biometrisch aufgenommen, ein normaler Film wäre einfach auf einer flachen Fläche zu sehen – aber nichts in unserer Welt ist flach. Marina ist hier keine Animation, sie ist in dieser Performance kein Avatar, und auch kein Darsteller in irgendeinem Computer-Spiel. Wir sehen hier Marina komplett, von allen Seiten, wie sie sich durch den Raum bewegt, in dem wir stehen. Diese Performance wird also für jeden, der sie sich irgendwann einmal ansieht, immer so wirken, als würde das alles jetzt passieren. Es ist kein Artefakt.“

Die komplette Produktion hat nur mal kurz mehr als eine Million Euro gekostet.

Kunst für Kunstbanausen

Willkommen also in der Welt der Performance-Kunst, willkommen in der Welt von Marina Abramović, jener Frau, die in diesem künstlerischen Genre seit Jahrzehnten immer wieder Grenzen einreisst. Es ist eine Künstlerin, die weiss, wie man auch aus völliger Ruhe, aus Stille und weissen Wänden ein Spektakel macht,  das selbst Zuschauer anzieht, die sich sonst nicht besonders für Kunst interessieren.

Marina Abramović sei für diese Eröffnungs-Performance von „The Life“ selbst in die Serpentine Gallery gekommen, aber sie habe nur ein paar Worte darüber verloren, wie stolz sie ist hier zu sein, und dass sich alles für sie anfühlt wie ein Spaziergang über den Mond. Ansonsten habe sie keine Interviews gegeben. Das Einzige, was sie interessiert, ist die Verbindung zu ihren Zuschauern.

Für diese neue Performance hat sich die Serpentine Gallery im Londoner Hyde Park jetzt tatsächlich in eine Art Labor verwandelt. Alles ist durchgeplant, auch das ist Hanschrift Abramović – als Zuschauer geht man nicht einfach rein und wieder raus. Assistenten in weissen Kitteln begleiten jeden Besucher durch die weiss gestrichenen Räume.

4000 Menschen werden sich das 19 minütige Spektakel in den kommenen Tagen in London ansehen, der Eintritt ist frei – und alle Plätze waren innerhalb von drei Stunden ausgebucht. Aber anders als bei vorherigen Performances können sich alle Interessierte diesmal Hoffnungen darauf machen, dass dieses Werk noch einmal reproduziert und wiederholt wird.

Quelle: deutschlandfunkkultur / serpentinegalleries

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