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Seeking Dawn im Test

69

Mittelmässig!

Mehr und mehr Studios zaubern uns grössere VR-Welten vor die Linse. Darunter nicht nur schummrige Survival-Horror-Ausflüge wie «Resident Evil 7» in voller Länge, sondern auch viele erfrischende Konzepte mit Leuchtstab-Gymnastik à la Beat Saber und Entenjagd-Neuauflagen auf Nostalgie-Basis des Duck-Hunt-Klassikers. Es gäbe zahlreiche Neuzugänge, die man noch aufzählen könnte. Nach wie vor fehlt es aber an malerischen VR-Auszeiten mit Tiefgang. Auf einem mystischen Alienplaneten gestrandet, beginnt bei «Seeking Dawn» euer Überlebenskampf, dessen Vorgeschichte aus Sprachaufzeichnungen erzählt wird. Aus begrenzten Ressourcen müsst ihr euch zunächst eine Schutzbasis errichten und nach gut verstreutem Überlebens-Equipment Ausschau halten. Wäre da bloss nicht überall böses Urgetier, das aus allen Ecken kriecht. An «Seeking Dawn», das die Macher als Sci-Fi-Adventure einordnen, hat das kalifornische Entwicklerstudio Multiverse nach eigenen Angaben mehr als zwei Jahre geschuftet. Darauf deutet auch die Optik der detaillierten Welten hin. Wir nehmen einen VR-Taucher.

«Seeking Dawn» erschien am 12. Juli 2018 für die Oculus RiftHTC Vive und Windows Mixed Reality. Wer den Shooter früh vorbestellt hatte, durfte sich an einem der 500 Beta-Keys laben, mit dem es schon vor mehr als zehn Tagen Zugriff gab. Darin enthalten war unter anderem die ganze Single-Player-Kampagne. Auch für PlayStation VR sei noch in diesem Jahr eine Umsetzung geplant. Gut möglich, dass es bei der Konsole länger dauert, weil man noch an der Aim-Controller-Unterstützung werkelt. Das Gameplay mit dem Pistolen-Gadget könnte nämlich vom Tempo und der Steuerung her ähnlich gut funktionieren wie bei «Farpoint».

Viel Liebe zum Detail

Das neoapokalyptische Machwerk liess schon in vielen Trailern und mehrminütigen Gameplay-Videos die VR-Herzen höher schlagen. Musste man sich ganz am Anfang noch durch eine dunkle Höhle mit extraterrestrischen Fieslingen anlegen, befindet man sich auf einmal auf einer mystischen Brücke mit blinkenden Bodenplatten, während man aus dem Äther von wunderschönen Leuchtquallen umschwirrt wird. Es sind jene Momente, die einen Spieler innehalten lassen: sphärische Musik, gewaltige Stegano-Saurier in einer Urwald-Lichtung und peitschende Gummibäume aus einer anderen Welt. Da bleibt man gerne  einen Moment stehen und schaut in alle Richtungen. In dieser Hinsicht verlangt das Spiel der PC-Hardware aber auch einiges ab. Mit einer älteren Midrange-High-End-Grafikkarte kann man sich daher gleich eine Packung Kneckebrot holen.

Etwas für Jäger und Sammler

Die Steuerung mit der optionalen Full-Locomotion-Fortbewegung fühlte sich auf der HTC Vive sehr geschmeidig an. Es existieren zwei HUD-Menüringe, an die man sich anfangs ein wenig gewöhnen muss, weil das eine Optionsrad als Quickmenü dient, während das andere für nähere Begutachtung sämtlicher Utensilien gedacht ist. Denn aufzusammeln gibt es allerlei: Holzsorten, Gesteinskristalle, Medizin, aber auch Früchte, Wasser und Alien-Hamburger. Ob dabei die Sammelleidenschaft bei vielen Spielern durchgeht, ist eine andere Frage. Die Munition geht so schnell aus, was zur Folge hat, dass man nach episch-langer Turok-Manier immer wieder dieselben Dschungelecken abgrast. Man will ja schliesslich nur die nächste Superwumme bauen. Medizin und Getränke sind jedoch rar gesät.

Zu viele Gegenstände

Dass der Protagonist dann alle 15 Sekunden in einem überlappenden Soundspuren-Gebell nach Wasser und Essen schreit, kann auch wagemutige Geduldsmenschen gewaltig aus der Fassung bringen. Nicht ganz selbsterklärend ist auch die Missionsverfolgung. Mal schwirrt euch ein nächstes Ziel vor Augen, erkenntlich an einer Distanzmarke. Mal befindet man sich bereits in einem nächsten Level, doch der Pointer, der euch zum nächsten Ziel lotsen müsste, ist plötzlich verschwunden. Schlimmer noch: Multiverse gibt sich wenig Mühe, ein paar Hinweise zu streuen, wo man einen bestimmten Kristall oder eine Holzsorte für die nächste Waffe findet. Da hilft es, einen bis drei VR-Veteranen zu einer Koop-Mission einzuladen. So wurde mir nach langer Suche erst durch einen Kumpanen bewusst, dass man gewisse Bäume mit einem Waffen-Gadget zum Explodieren bringt. Multiverse: Nehmt doch einfach ein paar Items raus und passt den Schwierigkeitsgrad an.

Fazit

Summary

«Seeking Dawn» ist ein sehenswertes Game, aber es fehlt der letzte Schliff. Ob es im Verlauf des Jahres doch noch zu einem der besten VR-Spiele wird? Einige Bugs wie stotternde FPS-Raten oder plötzliche Hänger bei der linken und rechten Hand haben die Entwickler schon während der Beta-Phase korrigiert. Zu dieser Zeit wurde auch der Windows-Mixed-Reality-Controller über Steam noch nicht unterstützt. Hinsichtlich Finetuning man kann aber teilweise optimistisch sein, weil das Studio aus L.A. viel mit der Community diskutiert. Abgesehen vom Preis, den ich selber okay finde, bietet «Seeking Dawn» bei der Spiellänge von rund 15 Stunden ein gutes Preis-Verhältnis. Das VR-Adventure ist zu einem Preis von Fr. 39.50 bzw. 39.99 US-Dollar auf Steam bzw. im Oculus Store erhältlich.

Pros

  • Schöne Flora und Fauna
  • AAA-Macherqualitäten (mit ein paar Bugs)

Cons

  • Unausgeglichener Schwierigkeitsgrad
  • Unklare Missionspfade
  • Gähnende Rohstoffsuche

Bewertung im Detail

  • Gameplay
  • Preis / Leistung
  • Umfang
  • Präsentation
6.9 10 Mittelmässig!