Share, , Google Plus, Pinterest,

Drucken

Posted in:

Mittendrin im Flüchtlingstrack

„Carne y Arena“, „Fleisch und Sand“ heisst die Ausstellung in Los Angeles County Museum, die man nur mit einer Virtual-Reality-Brille erleben kann. Regisseur Iñárritu erzählt darin von der Flucht über die Grenze von Mexiko – für die Museumsbesucher eine fast schmerzhaft spürbare Erfahrung.

Schon die ersten Sekunden der virtuellen Ausstellung fesseln erzählt die Redaktorin von Deutschlandrundufunk, Katharina Wilhelm: „Bis vor ein paar Sekunden war ich noch in einem dunklen Raum mitten im County Museum in Los Angeles. Als ich die Augen wieder öffne, stehe ich mitten in einer Wüste. Es ist Nacht, ich sehe, wie sich eine Gruppe Menschen in meine Richtung bewegt. Eine Frau scheint verletzt, auf Spanisch ruft sie um Hilfe. Ein kleines Mädchen weint. Der Sand unter meinen Füssen ist grob und steinig, ein leichter Wind weht. Ich vergesse, dass ich eine riesige Virtual-Reality-Brille trage.“

„Carne y Arena“, übersetzt „Fleisch und Sand“, heisst die virtuelle Ausstellung des mexikanischen Regisseurs Alejandro González Iñárritu. Die Geschichte basiert auf Gesprächen, die er mit Menschen geführt hat, die über die Grenze von Mexiko in die USA geflüchtet sind: „Jeder Satz, jede einzelne Geschichte war tief bewegend. Die Menschen waren bereit, ihr Leben zu riskieren, auch das ihrer Kinder.“ Das erläutert der Regisseur bei seiner Dankesrede vor der Oscar Academy. Für seine Installation hatte er einen Ehren-Oscar erhalten.

Die Geschichte ist körperlich zu spüren

Bereits in seinem Film „Babel“ hatte Iñárritu das Thema Flucht aufgegriffen. Mit „Fleisch und Sand“ will er den Zuschauer aus seiner beobachtenden Position locken, ihn mittenhinein holen und damit auch herausfordern. Anders als in Computerspielen, die mit einer Virtual-Reality-Brille gespielt werden, sorgt Iñárritu dafür, dass wir seine Geschichte körperlich spüren können. Im Vorraum der Ausstellung müssen die Besucher ihre Schuhe und Strümpfe ausziehen, um das echte Feeling zu erhalten. Der Raum ist dem als „Eisschrank“ bekannten Hafträumen für Flüchtlinge nachempfunden, die es entlang der Grenze gibt. Im Ausstellungsraum sorgt ein Gebläse und heftiger Sound dafür, dass man den Hubschrauber, der über einem und den Flüchtenden kreist, wirklich fühle.

„Unsere Intention war, einen der ältesten Konflikte der Menschheit mit der neusten Technik zu erzählen. Ich bin nicht an Technik interessiert, die uns aus der Realität flüchten lässt, sondern die uns einen Teil unserer komplexen Realität zeigt“, so Iñárritu.

Als Besucher der VR kann man sich immerhin entscheiden: Will man sich zu den Flüchtenden stellen oder sich umdrehen, das Ganze ignorieren oder sogar die Brille abziehen?

Ein starkes Beispiel dafür, wie VR Empathie weckt

Knapp sieben Minuten dauert das virtuelle Erlebnis.  Empathie zu wecken ist natürlich eine Absicht des Regisseurs. Es ist gleichzeitig ein politisches Statement,  in Kalifornien an der Grenze zu Mexiko. Auch dort will Trump seine Mauer bauen lassen, nirgends gibt es so viele lateinamerikanische Einwanderer wie in Kalifornien. Für Iñárritu ist die virtuelle Realität eine Chance für das Hier und Jetzt und gleichzeitig der Weg in die Zukunft:

„Wir stehen Anfang einer neuen Kunstform, deren Sprache und visuelle Grammatik wir noch verstehen müssen. Doch die nächste Generation wird diese erkunden und uns in neue Welten entführen können.“

Die VR-Installation „Carne y Arena“ war bis Januar 2018 in der Fondazione Prada in Mailand zu sehen und kann derzeit im Los Angeles County Museum of Art besucht werden.

Quelle: Deutschlandfunk

Schreibe einen Kommentar