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Klimts Bildwelt in VR erleben

Der VR-Künstler und Filmemacher Frederick Baker hat für das Museum für angewandte Kunst anlässlich des 100. Todestags von Gustav Klimt eines seiner Hauptwerke in eine Landschaft verwandelt, die man per VR-Brille betritt.

Kunst und Leben zusammenzuführen, die Menschen ins Schöne einzuhüllen war ein erklärtes Ziel des Jugendstils. Von daher ist sich Digitalkünstler Frederick Baker ziemlich sicher, dass Gustav Klimt (1862–1918) von VR begeistert gewesen wäre. Und besonders freilich von der Installation Klimt’s Magic Garden, die Baker anlässlich des 100 jährigen Klimt-Jubiläums im Museum für angewandte Kunst (Mak) zeigt: Wer sich die VR-Brille aufsetzt, findet sich mitten in Klimts Bildwelt wieder.

Besetzt mit golden schimmernden Ornamenten ist der Boden jener hügeligen Landschaft; ringsum ragen spiralförmig-verschnörkelte Bäume über einem auf. Dreiecksmuster fliessen als Wasserfälle herab, irgendwann steht man in einem Regen aus Augen und Kringeln. Inspiriert ist der horrend kitschige, aber erlebenswerte VR-Trip von Klimts Mosaikfries für das Brüsseler Palais Stoclet. Baker hat Versatzstücke zu einer zwischen Postapokalypse und Alice im Wunderland (nach Art von Tim Burton) vermittelnden Fantasie zusammengefügt.

Ego-Flaneur statt Ego-Shooter

Auch die Narration der interaktiven virtuellen Reise – „Erwartung und Erfüllung“ – ist an Klimt angelehnt. Der Digitalkünstler habe sich hierbei überlegt, wie so eine Landschaft zum Thema Erwartung und wie eine zu Erfüllung aussehen könnte. Der Weg, den Betrachter durch die virtuelle Welt nehmen, ist frei wählbar.

Dies veranlasst Baker und Mak-Direktor Christoph Thun-Hohenstein, über Nonlinearität, neue Werkbegriffe und ungewohnte Sichtweisen auf Klimts Original zu philosophieren, die Bakers wohldurchdachte Arbeit gewiss ermöglicht. Sie fusst nicht zuletzt auf langjährigen Forschungen des Künstlers zu alternativen Erzählweisen in der VR.

Klimt’s Magic Garden ist mitunter auch ein Versuch, VR einem breiten Publikum möglichst niedrigschwellig nahezubringen und sie als Kunstform zu etablieren. Dies ist der Grund, warum Baker sich darum bemüht, Computerspielklischees zu durchbrechen: „Ego-Flaneur statt Ego-Shooter“, so beschreibt er seinen Ansatz, der mehr auf alternative Verwendungsweisen und weniger auf den schnellen Rausch zielt.

Quelle: derstandard

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