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Ein virtueller Regenbogen für 30 Franken im Jahr

Virtual Reality eröffnet neue Räume für die Kunst. Und stellt den Kunstmarkt auf den Kopf. VR-Kunst-Expertin Tina Sauerländer erklärt, warum sie digitale Kunst dem anaologen Bild bevorzugt.

In einem dunklen Raum schimmert ein Regenbogen auf einem feinen Wasserfall. Bewegt man sich auf den Wasserfall zu, verändern sich die Farben des Regenbogens. Fasst man mit der Hand in den Wasserfall, entstehen neue Lichtreflexionen und Farbmuster.

Das neue virtuelle Kunstwerk des Lichtkünstlers Olafur Eliasson lässt den Betrachter mit Hilfe der Virtual-Reality-Brille eintauchen in die Welt eines Naturphänomens.

Neue Räume, neue Grenzen

«Dank Virtual Reality kann man als Künstler einen komplett neuen Raum um den Betrachter herum erschaffen», sagt die deutsche Kuratorin Tina Sauerländer. Sie hat letztes Jahr eine Ausstellung zu virtueller Kunst im Haus der elektronischen Künste (HeK) in Basel kuratiert und die Pecha Kucha Night organisiert.

«Es gibt im virtuellen Raum keinen Rahmen mehr. Man kann als Künstler die physikalischen Gesetze, etwa die Schwerkraft der Erde, ausser Acht lassen und seinen Kunstwerke ganz neu durchdenken.»

Neue Räume, neue Gesetze

Im Vergleich zum klassischen Kunstmarkt sei der Markt für Virtual-Reality-Kunst zwar noch sehr klein, jedoch wachse er sehr schnell, betont Tina Sauerländer. Mit der wachsenden Aufmerksamkeit stehen aber auch neue Fragen im Raum – etwa die des Urhebers.

Denn die wenigsten Künstler sind heute in der Lage, ein virtuelles Kunstwerk selber zu programmieren. Wenn der Künstler dem Programmierer viel Freiraum lässt, kommt es vor, dass beide als Urheber genannt werden. Wenn der Künstler jedoch alles genau vorgibt, erscheinen die ausführenden Programmierer nur in der näheren Beschreibung des Kunstwerks.

Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit wird es auch neue Probleme geben, wie der Bericht über das AR-Bombing gezeigt hat.

Neue Räume, neuer Markt

Doch nicht nur die Urheberschaft, auch die für den Kunstmarkt wichtige Rolle des Sammlers muss mit dem Aufkommen der digitalen Kunst und der VR-Kunst neu definiert werden. Denn digitale Kunst folgt in Sachen Zugänglichkeit den Regeln des Webs.

«Das ist das Tolle an digitaler Kunst: Sie bleibt über das Internet für viele Menschen zugänglich und sichtbar. Anders als bei einem Bild, das nach einer Auktion im Privatbesitz eines Sammlers verschwindet und nie wieder gesehen wird», sagt die Kuratorin Tina Sauerländer.

Auch der Verkauf der virtuellen Kunst geht mit der Zeit: Mittlerweile gibt es diverse Virtual-Reality-Galerien im Internet, wo man die digitalen Kunstwerke kaufen kann.

So bietet etwa die in London sesshafte Firma «Acute Art» den virtuellen Regenbogen von Olafur Eliasson für umgerechnet rund 10 Franken monatlich oder 30 Franken jährlich an.

Neue Räume, neuer Zugang

In Kunst eintauchen, bequem von zu Hause, auf dem Sofa. Wird damit der Gang zum Museum obsolet? Nein, sagt Tina Sauerländer. Sie sieht in der virtuellen Kunst vielmehr eine Möglichkeit, den Menschen den Zugang zu Kunst zu erleichtern und dadurch mehr Menschen zu erreichen.

Doch welche Auswirkungen haben die neuen Technologien auf unseren Blick auf die Kunst? Welchen Wert hat Kunst, wenn man plötzlich Teil davon ist und sie gar mitgestalten kann? Und vor allem: wenn sie immer und überall verfügbar ist?

Tina Sauerländer ist optimistisch: «Ich glaube, dass nachwachsende Generationen, deren Leben sich sehr stark online abspielt, es nicht als abwertend empfinden werden, wenn Kunstwerke nur online wahrgenommen werden können. Ich denke nicht, dass das den Wert der Kunst schmälert.»

Sicher ist: Virtual-Reality-Kunst wird die Kunstwelt im 21. Jahrhundert massgeblich prägen. Die Regeln des Kunstmarktes stellt sie jetzt schon auf den Kopf, wenn der Verkauf der virtuellen Kunst über monatliche Abos läuft, der Sammler seine geliebten Stücke online stellt und der Programmierer am Ende fast mehr zum Werk beigetragen hat, als der Künstler selbst.

Quelle: SRF

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