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Virtual Reality gegen die Angst noch zu unberechenbar?

In Heilbronn kann man sich seinen Ängsten stellen – ganz gleich, ob Spinnenekel, Höhenangst, soziale Ängste oder Klaustrophobie. Mithilfe einer Virtual Reality Plattform kann man in die Tiefe springen oder haarige Insektenbeine betrachten.

Die Autorin Franziska Knupper von Deutschlandfunkkultur hat ein Projekt namens Evelyn in einem Labor getestet, in welchen man sich diversen Ängsten mit Hilfe der VR stellen kann. Wer keine Lust zum Lesen hat und lieber zuhören möchte, der  kann diese auf der Webseite machen.

Das Labor, in dem sie zu Besuch war, befindet sich in Heilbronn. Es umfasst insgesamt rund 50 qm und momentan sind dort 15 Kameras verbaut, die die Probanden tracken. Diese bewegen sich mit dem VR Headset völlig frei, weil sie einen Rucksack, also Backpack-PC anhaben.

Furchterregendes Avatar-Erlebnis

Obwohl Franziska Knupper mit Höhenangst und sozialer Angst sonst nicht zu kämpfen hat, wurde die Autorin, gemäss ihren Angaben vor der Konfrontation ein bisschen nervös. Und wenn man liest, was sie berichtet, wohl etwas zurecht:

„Auf den Stühlen konnten wahlweise Zuhörer Platz nehmen, die dich anstarren oder die explizit nicht zuhören. Das ist nur eine Möglichkeit sozialen Stress, zu simulieren. Ich fand es aber eigentlich am gruseligsten, dass das System mich gescannt hat und einen Avatar kreiert hat. Das heisst, wenn ich an mir herab geschaut habe, habe ich einen fremden Körper gesehen. Zu einem Zeitpunkt passierte ausserdem ein Fehler und das Ding hat meinen Körper verlassen und ein Eigenleben geführt, es stand plötzlich ganz verquer neben mir. Das war viel furchterregender als alles andere.“

Spannend ist dabei, dass also nicht das eigentlich Test-Setting eine Angst provozierte, sondern vielmehr, dass die Probandin sich als Avatar unwohl fühlte. Solche Augenblicke können für echte Angstpatienten extrem traumatisierend sein und so alles andere als hilfreich für die Bewältigung.

VR noch zu unberechenbar?

Deswegen betonte das Team auch immer wieder, dass es sich bei diesen künstlichen Welten noch um Prototypen handelt. Die Entwickler wissen auch, dass man zum Beispiel bei Traumapatienten viel individuellere Welten erschaffen müsste als bei phobischen Personen. Es wird derzeit auch in Expertenkreisen diskutiert, ob solche Erfahrungen überhaupt ohne Psychotherapeuten gemacht werden sollen und welche Risiken dahinter stecken.

Ein Experte mein dazu: „Ich persönlich halte, gerade zu Beginn einer Therapie, nichts davon, man weiss ja noch gar nicht, wie reagiert der Patient jetzt. Der hat wahrscheinlich bisher versucht, den angstauslösenden Reiz zu unterbinden, sodass man gar nicht damit konfrontiert wird und jetzt hat er im heimischen Wohnzimmer auf einmal so eine Konfrontation und je nachdem wie gut die VR gemacht ist und wie präsent er sich da drin fühlt, kann das natürlich auch ganz massiv zu Reaktionen führen.“

Ein Vorteil des Einsatzes der VR sei die Unkompliziertheit und die Kosteneinsparung für diverse Settings. Ein Patient mit Höhenangst müsse man z.B. nicht auf ein Hochhaus begleiten, sondern mit VR würde diese Situation einfach simuliert werden.

Quelle: Deutschlandfunkkultur

 

 

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