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Deutsche Lokführer im Cyberspace

Bei der Deutschen Bahn bereiten sich derzeit rund 100 Zugführer per Virtual-Reality-Training auf ihre Arbeit im ICE 4 vor.

Zuerst benötigt man einen Vierkantschlüssel, um das Bedienungspanel direkt an der Zugtür zu öffnen. Dahinter verbirgt sich ein Teil der Steuerung für den Hublift, der in allen ICE 4 der Deutschen Bahn zur Grundausstattung gehört – die Züge davor hatten eine solche Vorrichtung nicht. Um das schwere Gerät zu bedienen, sind genau 28 Arbeitsschritte nötig, von denen der erste eben der Einsatz des Vierkantschlüsselt ist.

Allerdings: Statt des echten Werkzeugs halten die Lokführer der Deutschen Bahn ein Eingabegerät der HTC Vive in der Hand, und den Hublift sehen sie nur in der virtuellen Realität. In einem neuen Trainingsprogramm werden derzeit in Deutschland eine Gruppe Zugführer auf ihren Einsatz in den neuen Hochgeschwindigkeitszügen vorbereitet.

Hersteller Siemens schickt zurzeit ungefähr alle drei Wochen einen dieser ICE 4 auf die Schiene, entsprechend müssen bis Herbst 2018 ungefähr 100 Zugführer ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Die Bahn ist nach eigenen Angaben froh über jedes Training, das in der virtuellen Realität und nicht in einem der Züge stattfinden kann – die sollen schliesslich Passagiere befördern.

Ein Teil der Ausbildung erfolgt dennoch in echten Zügen, da das VR-Programm und Training auch an seine Grenzen stosse. „Wir können in der Virtual Reality wunderbar die Bewegungsabläufe trainieren“, erklärt Lars Tiedermann von der Bahntochter DB Systel, die hinter der Anwendung steckt. „Jedoch merkt man erst, wie schwer etwas ist, wenn man es in Echt in der Hand hält.“ Im Normalfall lernen die Zugführer den Umgang mit der Hebebühne am echten Gerät. Anschliessend werden die Bewegungsabläufe mehrfach am Computer wiederholt.

Modulartiges Training

Tiedermann und seine Kollegen nennen ihre Plattform Engaging Virtual Education (Eve). Das Modul für das Traning mit der virtuellen Hebebühne wurde in rund vier Monaten auf Basis der Unity Engine produziert. Alle wichtigen Details der Maschine sind massstabsgetreu dem Original nachempfunden – Siemens hat den Entwicklern die CAD-Daten zur Verfügung gestellt.

Neben dem Programm zur Bedienung der Hebebühne enthält Eve noch weitere Module. Es gibt etwa eine Anwendung, mit der Lokführer den Abschluss ihrer Arbeit trainieren können. Das umfasst das ziemlich komplexe Herunterfahren des Triebwagens ebenso wie die Schalter, die beim Aussteigen aus dem Führerhäuschen zu drücken sind.

Ein Quiz motiviert

Ein weiteres Modul ist für die Wartungstechniker gedacht, die für die Instandhaltung der Dachgärten zuständig sind – so nennen Bahner den oberen Teil der Züge mit den Stromabnehmern. Weil es da laut Tiedermann besonders auf Geschwindigkeit ankomme, hat DB Systel die Übung zur Motivation sogar mit einem kleinen Quiz angereichert. Weitere Szenarios befinden sich in der Entwicklung. Darunter ist eine, mit der Auszubildende das Kuppeln lernen können.

Quelle: Golem

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